Professor Robot

Professor Robot

23.10.2017 in Jura & Lehre

Roboter in der Hochschullehre

Jürgen Handke (63) habe ich im vergangenen Jahr auf der Konferenz der Bundesarbeitsgemeinschaft Digitale Lehre kennen gelernt und vor wenigen Wochen auf den Altenholzer Hochschultagen wieder getroffen. Handke ist Professor am Institut für Anglistik und Amerikanistik an der Philipps-Universität Marburg und macht seit Jahren mit seinem „Inverted Classroom Model“ von sich reden: Eine umgekehrte Reihenfolge von Lehre und Nachbereitung. Normalerweise hören Studierende neuen Stoff in einer Vorlesung zum ersten Mal und vertiefen ihn anschließend im Selbststudium.

Im „Inverted Classroom“ bringen sie sich dagegen mit eBooks, Lehrvideos und anderen Medien die Inhalte schon vor der Lehrveranstaltung selbst bei. Danach erst treffen sie sich im Hörsaal mit dem Professor, um das Gelernte zu vertiefen, zu diskutieren und Fragen zu stellen. Das soll vor allem dafür sorgen, langweilige Frontalvorträge zu vermeiden. Handke wird regelmäßig von Tutoren in die Vorlesung begleitet, die ihn dabei unterstützen, in Kleingruppen mit den Studierenden zu arbeiten.

 
Das an sich ist schon eine spannende Angelegenheit. Doch der Träger zahlreicher Auszeichnungen (u.a. Ars Legendi-Preis für exzellente Hochschullehre, 2015, Innovationspreis der deutschen Erwachsenenbildung, 2016) startet vielleicht gerade in eine neue große Ära der Bildungsgeschichte. Dass heißt, so groß kommt sie auf den ersten Blick gar nicht daher. Sie? Er? Es? Die Rede ist von Pepper, einem Roboter. Er ist 1,20 Meter groß, bewegt sich auf Rollen, kann sich im Raum orientieren und trägt einen Tablet-PC vor seiner Brust. Er spricht Deutsch und Englisch. Der Roboter soll künftig zusammen mit dem Professor und den Tutoren die vielen Aufgaben erledigen, die im „Inverted Classroom“ während der Präsenzveranstaltung anfallen. Das Ganze läuft unter dem Projektnamen H.E.A.R.T. – das steht für: Humanoid Emotional Assistant Robot in Teaching.

Die Reaktionen der Studierenden auf Pepper fallen gemischt aus: Während sich die einen über den Humanoiden als originelle Abwechslung im Hörsaalalltag freuen und ihm durchaus einiges an Potenzial bescheinigen, halten die anderen kritisch dagegen, dass Roboter wie Pepper eines Tages ihren Job kosten würden. Diese Sorge mag nachvollziehbar sein, sind doch viele von Handkes Studierenden angehende Lehrerinnen und Lehrer.

Das vom Bundesbildungsministerium mit 137.000 Euro geförderte Roboter-Projekt im Hörsaal steckt noch in den Kinderschuhen und Pepper hat bestimmt noch viel zu lernen, bevor er die Lehre revolutionieren wird. Handke verriet mir, dass Pepper und Nao (sein kleiner Roboter-Bruder) ihn manchmal ganz schön viel Nerven kosten. Aber hier sei weniger Erziehung als viel mehr Experimentieren und Programmieren gefragt. Und da bleibe er dran! Wer Handke kennt, glaubt ihm das sofort.

Machen Sie sich selbst ein Bild davon, was Roboter in der Hochschullehre leisten können und wozu sie jetzt schon imstande sind. Hier einige Videoclips von Jürgen Handkes Youtube-Channel:



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