Fotos, Fokus, Farben, Filter

Fotos, Fokus, Farben, Filter

19.11.2012 in Media & More

Mein Fotoshooting auf Mallorca

Anfang November bin ich dem nasskalten Wetter in Deutschland entflohen und habe mich in einen Flieger nach Mallorca gesetzt. Mit an Bord meine digitale Spiegelreflexkamera, ein neues Weitwinkelobjektiv, Spezialfilter und etwas Fachlektüre. Ich wollte mich eine Woche lang meinem noch jungen Hobby Fotografie widmen und die Schönheit der Landschaft im Nordosten der Baleareninsel einfangen.
Mein Basecamp war Cala Ratjada, ein im Sommer sehr beliebter Touristenort mit gleich mehreren schönen Badebuchten. Um diese Jahreszeit allerdings haben viele Hotels und Restaurants bereits geschlossen, die Strände sind nur noch spärlich besucht und die milden Abendstunden gehören den Einheimischen, deren fröhliche Stimmen aus den Bodegas und Tapas Bars auf Katalanisch, Mallorquinisch oder Spanisch gedämpft in die Straßen dringen. Eine wunderbar entspannende Atmosphäre und ein gutes, oft abwechslungseiches Wetter boten die idealen Rahmenbedingungen für interessante Momentaufnahmen.

Tag 1
Gleich am Morgen nach meiner Anreise begrüßt mich bei angenehmen 21° ein bleigrauer Himmel mit geschlossener Wolkendecke. Nicht gerade das Fotowetter, das ich mir vorgestellt hatte. Aber eine gute Gelegenheit, mich mit einigen der zahlreichen Einstellungen an meiner Kamera zu befassen, die ich bisher doch sehr vernachlässigt habe. Eine große Hilfe ist dabei Das Buch zur Kamera von Frank Späth – eine echte Alternative zu meinem Sony-Handbuch, da es mir die Funktionen nicht technisch langweilig, sondern sehr praxisnah und unterhaltsam erläutert. Alles in allem ein so spannender Zeitvertreib, dass ich beinahe nicht mitbekomme, wie sich das Wetter schlagartig bessert. Deshalb schnell die Ausrüstung eingepackt und ab an den Hafen. Und wow: was für ein Himmel, was für ein Licht!

              

Tag 2
Der nächste Tag beginnt wieder grau, aber am Vortag habe ich ja erlebt, dass das so nicht bleiben muss. Doch das Grau hält sich heute hartnäckig, so habe ich wirklich vieeeel Zeit zur Lektüre zweier interessanter Zeitschriften: Das ultimative Handbuch für Fotografen und DOCMA – Photoshop für Kreative zeigen mir die große Bandbreite der digitalen Fotografie von der Vorbereitung über die Aufnahme bis hin zur Bildbearbeitung. Es ist schon später Nachmittag, als ich losziehe. Na gut, dann stehen eben heute Aufnahmen am Abend auf dem Programm.

              

Tag 3
Der Wecker geht um 6.00 Uhr. Muss sein. Ich hab‘ einen Tipp für einen tollen Platz zum Fotografieren von Sonnenaufgängen bekommen. Ein schnelles Frühstück und los. Vor mir liegen schätzungsweise 30 Minuten Fußweg. Um 7.18 Uhr geht die Sonne auf. Das könnte knapp werden. Viel zu früh und abgehetzt komme ich aber schon um 6.35 Uhr auf dem Felsen oberhalb der Cala Gat an. Also Zeit genug. Ausatmen. Einatmen. Entspannen. Am Horizont tut sich etwas. Stativ aufgestellt, Einstellungen gecheckt, Kamera aufgesetzt und ausgerichtet. Ich bin bereit. Jetzt darf’s hell werden.

              

Tag 4
Heute soll es viel zu schön werden zum Fotografieren. Strahlend blauer Himmel, bis 24°, 21° das Meer. Ich habe mir ein Fahrrad gemietet und pack‘ die Badehose ein. Heute ist ein Strandtag an der Playa Canyamel angesagt. Rein vorsorglich stecke ich aber auch die Kamera in den Rucksack. Man kann ja nie wissen, was einem unterwegs so vor die Linse kommt…

              

Tag 5
Wetter mittelmäßig, aber warm und regenfrei. Mit dem Rad geht es heute zum Castell de Capdepera, einer imposanten Festung, deren Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurück reicht. Auch die Altstadt von Capdepera hat ihre Reize. Nicht unerwähnt bleiben soll das Café L’Orient an der gleichnamigen Plaza, wo es einen hervorragenden Kaffee gibt! Man bleibt dort auch nicht lange allein, wie das dritte Bild beweist. Aber Vorsicht: so süß die vielen kleinen herrenlosen Katzen, die mir in jedem Ort über den Weg laufen, sind – man sollte sie nicht füttern! Das ist seit Neuestem in Capdepera verboten und kann richtig teuer werden. Die Strafen liegen zwischen 60 und 750 Euro und sollen verhindern, dass sich die Katzen immer weiter vermehren.

              

Tag 6
Wieder ein sonniger Start in den Tag. Da ich das Fahrrad gestern Abend wieder abgegeben habe, geht’s heute zu Fuß zur Cala Mesquida. Das ist eine gute Stunde Wanderung durch den Pinienwald. Der Strand ist fast menschenleer. Kein Wunder, denn um die Mittagszeit kommen Wind und Wolken auf, die nicht gerade zum Schwimmen einladen. Meine Badehose bleibt auch im Rucksack. Mich interessiert, was sich am Ende der Bucht hinter dem nächsten Felsrücken verbirgt. Als ich das letzte Hotel hinter mir gelassen habe, finde ich mich in in einer felsig-wilden Welt abseits der Zivilisation wieder. Nur selten eine Farbmarkierung oder ein kleines Steinmännchen, die einem den Weg weisen. Und plötzlich: Dutzende von steinernen Männchen! Aber welche davon markieren den richtigen Pfad (denn Weg kann man das hier schon länger nicht mehr nennen)? Ich bin mutig und entscheide mich – der schönen Fotoaussicht wegen – für den Pfad am Meer entlang, der aber gefährlich nahe an einer Abbruchkante vorbeiführt. Aber das realisiere ich erst rückblickend – beim Blick durch den Sucher – und in dem Moment wird mir schlagartig bewusst, dass ich da auch wieder zurück muss. Na ja: no risk, no fun!

              

Tag 7
Der Tag der Abreise ist gekommen. Der gute und preiswerte Shuttle-Betrieb von Transunion hat seinen Betrieb leider Ende Oktober eingestellt. Deshalb fahre ich mit dem Linienbus von Cala Ratjada nach Palma. Das klappt auch prima und pünktlich, denn anders als früher kann man sich mittlerweile auf die Fahrpläne verlassen. Vom Busbahnhof bringe ich meinen Trolley zur Gepäckaufbewahrung an der Plaza de España. Ich habe noch gut zwei Stunden Aufenthalt. Für großes Sightseeing reicht das nicht, aber ein paar Aufnahmen beim Schlendern über die Plaza und durch den Parc de Ses Estacions sind noch drin, bevor ich die Linie 1 zum Flughafen nehme.

              

Nach mehr als 1.000 Fotos, vielen Rad- und Wanderkilometern und dem ein oder anderen Glas Mescladis ging eine tolle Woche auf Mallorca viel zu schnell vorüber.
Ich habe fünf Dinge gelernt:
1. Man kann den Autofokus auch abschalten.
2. Ein Landschaftsfotograf muss gut zu Fuß sein.
3. Man kann nicht alles planen.
4. Fotografieren macht süchtig!
5. Ich habe noch viel zu lernen. 😉

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