Super Trooper

Super Trooper

3.03.2017 in Media & More

Zur Entstehung einer kleinen Film-Ouvertüre

Es gehört sicher zu den anspruchsvolleren musikalischen Herausforderungen, einem Film die passende Musik „auf den Leib zu schneidern“. Da ist es kein verkehrter Gedanke, als Einsteiger in das Thema Filmmusikkomposition nicht gleich die Vertonung eines cineastischen Werks in voller Spielfilmlänge anzugehen. So kam mir das Angebot meines Schulfreundes Tom, das er mir nach einigen Bieren bei unserem letzten Abitreffen machte, gerade recht: den Soundtrack zu seinem Animationskurzfilm „Super Trooper“ zu komponieren, einer witzigen Star-Wars-Parodie mit reichlich viel Action und tragischem Ende… Das Projekt ist nach wie vor „work in progress“. Aber die erste große Herausforderung, den Opener, habe ich nun vollendet.

Natürlich legt der bereits feststehende Filmtitel nahe, den ABBA-Song „Super Trouper“ zu zitieren. Auch wenn das Filmthema selbst gar nichts mit dem Song zu tun hat. Aber Musik kann ja bekanntlich auch neue Sinnebenen abseits des Offensichtlichen erschließen. Was selbstverständlich auf keinen Fall fehlen darf, ist der musikalische Bezug zum eigentlichen Filmthema: Star Wars.

Je länger ich mich mit den Anforderungen an dieses Filmmusik-Projekt beschäftigte, desto mehr reifte in mir die Erkenntnis, dass die Länge (bzw. hier die Kürze) eines Films keineswegs proportional zum Schwierigkeitsgrad der musikalischen Aufgabe steht. Manche behaupten sogar, die Bedeutung der Musik bei Kurzfilmen sei größer als die bei Spielfilmen. So oder so: eine Herausforderung!

Kopfhörer aufsetzen und erst einmal ABBA’s „Super Trouper“ anhören und analysieren, was es dem angehenden Komponisten einer Ouvertüre so an Inspiration zu bieten hat. Und ABBA wäre nicht ABBA, wenn hier nicht wunderbar unverwechselbare Elemente zu finden wären, die diesen und viele anderen Pophits der Schweden so besonders machen. Und damit zugleich ausgezeichnete Fragmente für meine Ouvertüre liefern. Herausgepickt habe mir hier zunächst einen Teil der Hookline, aus der ich mir ein Sechzehntel-Streicher-Ostinato konstruiere:

Darüber spielen Cello und Violas in einem Call-Response-Muster eine Variation der Hookline in originärer Chord Progression. Ich bin mir sicher, dass man hier bereits nach wenigen Takten den ABBA-Song erkennen, zumindest erahnen kann, oder?

Nach dieser mehr oder weniger subtilen Einstimmung auf „Super Trooper“ darf dann auch gerne ein Teil des markanten ABBA-Song-Refrains folgen. Hier verwende ich ein Echo-Muster, d.h. auf die Ansage der Blechbläser folgt das Echo der Streicher, unterstützt von einem Chor. Die Akkordfolge habe ich nun abweichend von der ABBA-Kadenz typisch cineastisch gestaltet, indem ich das Bläser-Streicher-Echo-Motiv zwei Mal jeweils vier Halbtöne abwärts transponiert habe.

Mit diesen Parts hatte ich nun den gesamten Textvorspann vertont. Es folgt ein Szenenwechsel, der zwingend auch einen musikalischen Wechsel erfordert. Eingeleitet wird dieser durch einen chromatisch absteigenden Flötenlauf, der einen vertikalen Abwärts-Kameraschwenk untermalt, gefolgt von einem trillerähnlichen Motiv, das eine neue Spannung aufbauen soll:

Wir wechseln nun von Dur nach Moll und bereiten uns nun endlich auf das Star-Wars-Thema vor, da uns der Filmanfang nicht mehr allzu viele Takte Zeit lässt. Statt für das Hauptthema habe ich mich für ein Zitat des „Imperial March“ durch die Bläser-Sektion entschieden.

Mit meiner Ouvertüre war ich nun einigerßen zufrieden, hatte aber den Eindruck, dass noch eine kleine Prise Star Wars am Anfang die Sache abrunden würde. Die Entscheidung fiel, als ich auf ein sehr interessantes Videotutorial stieß, in dem Musikproduzent Rick Beato den Anfangsakkord des Star Wars Soundtracks analysiert.

Einen so orchestrierten Akkord muss ich unbedingt am Anfang bringen, synchron zur Titeleinblendung. Das ist es! Schließlich habe ich aber statt des strahlenden Bb-Dur des Originals das einen Ganzton tiefere As-Dur genommen. Schließlich will ich mich ja nicht auf die selbe Stufe wie Star-Wars-Filmkomponist John Williams stellen ;-).

Hier der gesamte Super-Trooper-Opener am Stück:

Das Gesamtkunstwerk gibt’s in den nächsten Wochen auf Youtube. Dazu muss ich aber noch einige Takte Filmmusik komponieren…

Eingebaut hat Tom die Ouvertüre aber bereits in eines seiner anderen Animations-Projekte namens „Super Star / Die Macht“, das man am besten mit „Darth Vader meets Rammstein“ oder „Sith Metal“ umschreiben kann. Da debütiere ich übrigens als singender Darth Vader 😉 Das Ganze ist seit heute online:

 

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  1. admin - 4.03.2017

    Da einige Musiker-Kollegen es genauer wissen wollten, hier noch ein paar Infos zu dem von mir verwendeten Equipment:

    Hardware: Mac Pro, Audio Native Instruments Komplete Audio 6
    & Komplete Kontrol S88
    Software/DAW: Apple Logic Pro X
    Libraries: Choir: NI Kontakt Factory, Strings: NI Symphony Series String Ensemble, NI Action Strings, Embertone Fischer Viola, Embertone Blakus Cello, Woodwind: NI Symphony Essentials Woodwind Ensemble, Brass: NI Symphony Series Brass Ensemble, Harp: NI Kontakt Factory, Percussion: Rhapsody Orchestral Percussion, NI Rise & Hit

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