Generation Y

Generation Y

5.02.2011 in Jura & Lehre

Impressionen von der Learntec 2011

Die Learntec, internationale Leitmesse und Kongress für professionelle Bildung, Lernen und IT fand vom 01.-03. Februar 2011 – wie immer – in Karlsruhe statt.
Ich selbst war als Besucher, Referent und Moderator dabei und muss den Veranstaltern bescheinigen, dass ihr neues Konzept zur besseren Verzahnung von Fachmesse und Kongress aufgegangen ist.

Ein zentrales Thema war die „Generation Y“ (der ab 1980 Geborenen) und ihr selbstverständlicher Umgang mit den Medien. Die „ Digital Natives “ sind seit frühen Kindertagen mit MP3-Player, Handy und SMS, Internet, YouTube und Facebook aufgewachsen und finden das alles einfach ganz normal. Wir Älteren sind„Digital Immigrants“ und gehören zu denen, die noch immer E-Mails ausdrucken und sich nicht vorstellen können, während man Musik hört, lernen zu können. Das erinnert mich irgendwie an eine unlängst geführte Diskussion mit meinem Sohn ;-).

Wie Jugendliche zwischen 12 und 19 heute mit Medien umgehen, kann man detailliert in der Studie „JIM 2010 – Jugend, Information, (Multi-)Media“, herausgegeben vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest in Stuttgart, nachlesen.

Und die digitale Sozialisation habe, so die neueren Erkenntnisse namhafter Hirnforscher, die Gehirne der jungen Menschen physikalisch verändert!
Prof. Dr. Elger, Leiter der Klinik für Epileptologie an der Universität Bonn, hat in seiner Keynote hierzu zahlreiche weitere Details aus der Forschung offenbart. So habe man bereits 2004 entdeckt, dass der Erwerb einer Zweitsprache innerhalb der ersten vier Lebensjahre zu einer deutlich messbaren Vermehrung des Hirnvolumens führt!

Was hat Marc Prensky in seinem Aufsatz „Digital Natives – Digital Immigrants“ schon 2001 behauptet: „Our students have changed radically. Today’s students are no longer the people our educational system was designed to teach.“

So argumentierte auch Conrad Wolfram in seiner Keynote: „When we teach maths nowadays, 80% of the time is spent on calculation. But the computer can do much better calculation than almost any student. And there‘s a big push now to reform math education based on the new technologies, which allow people to focus much more on setting up the problem, understanding the problem – and not necessarily doing all the computation by hand and then analysing the result.“ Wolfram ist der Mitentwickler der 2009 veröffentlichten „rechnenden Wissensmaschine“ Wolfram|Alpha, die im Gegensatz zu üblichen Online-Suchmaschinen semantische Antworten auf Suchanfragen geben will. Das Ganze basiert auf dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Programm Mathematica und liefert keine Trefferlisten, sondern durch spezifische Algorithmen generierte Ergebnisse. Geben Sie doch einmal „Merkel Geburt Wetter“ bei Google ein und starten Sie dann die gleiche Anfrage einmal mit Wolfram|Alpha. Jetzt haben Sie einen ersten Eindruck davon, was Conrad Wolfram mit der Zukunft des „Knowledge Processing“ meint.

Was wäre eigentlich, wenn Ihr Buch weiß, wo genau sie gerade hinschauen? Ralf Biedert vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz beeindruckte mit einer Vision von künftigen E-Book-Readern, die „sehen“, was der Leser gerade liest. Möglich wird dies durch die Eye-Tracking-Technologie, mit der sich die Blickdaten des Anwenders auswerten lassen. So weiß die E-Book-Anwendung, wo man aufgehört hat, zu lesen und schlägt beim nächsten Öffnen des Books die passende Seite selbständig wieder auf und markiert die zuletzt gelesene Stelle. Oder: Liest man zum Beispiel ein fremdsprachiges Buch und bleibt an einem Wort „hängen“, wird dies erkannt und in einem Popup die Übersetzung angezeigt. Diese und weitere Ideen kann man sich in einem kleinen Video auf der Projektseite „Text 2.0“ ansehen. Sehr sehenswert!

Auf meinem Rundgang durch die Ausstellerreihen habe ich zahlreiche neuartige Produkte aus dem Bereich Serious Games entdeckt. Sehr spannend fand ich zum Beispiel das Autorenwerkzeug SimuCoach der Firma Zone 2 Connect GmbH, mit dem sich ohne Programmierkenntnisse interessante Gesprächssimulationen in professioneller Optik erzeugen lassen. Ich hätte da schon spannende Einsatzgebiete wie Qualifizierungsmaßnahmen zum Thema Mitarbeitergespräch oder Gesprächstrainings für die Rechtsantragstellen im Sinn…

Alles in allem war die Learntec sehr inspirierend und lehrreich. Was ich gelernt habe: Die Medizintechnik von heute hat unser Wissen über unsere Gehirne verändert. Unsere Gehirne haben sich durch die Welt der Informationstechnik verändert. Die Bücher von morgen werden unsere Art, zu lesen, verändern (und damit bestimmt auch wieder unsere Gehirne). Sollten wir Lehrenden auch allmählich unsere Lehre verändern, wenn wir nicht bald von gestern sein wollen?

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