Hybrid-Anwendungen mit AIR und Silverlight

Hybrid-Anwendungen mit AIR und Silverlight

22.01.2010 in Media & More

Nicht nur Hybrid-Autos sind trendy, auch Hybrid-Programme, die gelegentlich eine Online-Verbindung benötigen, aber auch offline funktionieren.

Und wo es Trends gibt, da gibt es natürlich auch Unternehmen, die bei der Einführung der damit verbundenen Technologien konkurrieren:  Adobe mit AIR (Adobe Integrated Runtime) und Microsoft mit Silverlight.

Beide Technologien sollen, vereinfacht ausgedrückt, die On- und Offline-Grenze verschwimmen lassen, die Entwicklung leistungsfähiger Webapplikationen erleichtern und die Usability von Webseiten deutlich verbessern oder anders ausgedrückt: das Beste beider Welten miteinander verbinden.

AIR Installer AIR oder Silverlight:
Erforderlich ist in jedem Fall die Installation einer Client-Software.

Die Meinung eines Entwicklers mit „Migrations“hintergrund

Während Adobe’s AIR-Applikationen auf Flash/Flex basiert und damit zwangsläufig eine stark grafisch orientierte Herangehensweise bei der Softwareentwicklung vorgibt, steht bei Microsoft’s Silverlight die traditionelle Programmierung mit Visual Studio 2008 im Vordergrund. Kein Wunder also, dass sich Programmierer, die bisher mit Visual Studio entwickelt haben, zu Silverlight hingezogen fühlen. Erfahrene Flasher und Anwender der Adobe Creative Suite (mit Dreamweaver u.a.) entwickeln eher mit Flex und AIR. Nach meiner Erfahrung haben aber auch viele Java-Programmierer Flex und AIR für sich entdeckt. Das mag daran liegen, dass die Entwicklungs­umgebung Flash Builder (vormals Flex Builder) auf der den meisten Java-Programmierern so vertrauten Eclipse-Plattform basiert.

Offen gestanden, bin ich froh, beizeiten die Kurve genommen und nach 15 Jahren Windows-Entwicklung unter Visual Studio zur Welt der Rich Internet Applikationen made by Adobe migriert zu haben. Das ist natürlich zum Teil sehr subjektiv. Aber als ich diese Woche den Artikel „Silber-Hybrid“ über Silverlight in der aktuellen Januar-Ausgabe der iX (S. 119-122) gelesen habe, wurde mir wieder klar, dass Microsoft’s Technologie – auch objektiv betrachtet – der von Adobe noch immer (wie schon seit Jahren) hinterher hinkt. Einige Punkte möchte ich hier aufgreifen:

  • Silverlight-Anwendungen können nie mehr, als der Browser darf. Das bedeutet: keinen vollen Systemzugriff, Benachrichtigungen, native Menüs etc. Demgegenüber steht in AIR ein flexibles API für umfangreiche Interaktionen mit dem Betriebssystem zur Verfügung. Diesen Nachteil hat Microsoft inzwischen erkannt und mit der seit November 2009 verfügbaren Silverlight 4 Beta nachgebessert.
  • Beim Start von Silverlight-Applikationen „Out-of-Browser“ (OOB) fehlen alle Funktionen, die Silverlight über den Browser bezieht, beispielsweise DOM-HTML-Verarbeitung und Deep Zoom. In AIR hingegen ist die WebKit Browser Engine (auf der auch Safari basiert) integriert. Damit lassen sich beliebige Kombinationen aus AIR, HTML und Flash bilden, Script-Brücken bauen und das DOM manipulieren. Einen guten Überblick hierzu gibt ein Artikel in den Adobe Labs.
  • Silverlight-Anwendungen können Daten lokal nur im sogenannten Isolated Storage speichern. Das sind bei aktivierter OOB-Funktion immerhin 25 MB. Aber was ist das gegen eine AIR-Applikation, die ein komplettes lokales Datenbankmanagement­system, nämlich SQLite, an Bord hat und damit ein strukturiertes und standardisiertes Datenmanagement erlaubt?

Beispiele

Pluto.Synth Gute Silverlight-Anwendungen hat man lange mit der Lupe suchen müssen. Inzwischen gibt es jedoch im Silverlight Showcase einiges zu sehen. Ganz nett ist der Pluto.Synth, ein Sequenzer-Programm, das serverseitige Demosongs, aber auch lokale Midifiles laden und abspielen kann.
eBay DesktopGelungen ist die AIR-Umsetzung von eBay namens ebay Desktop. Sämtliche Aktionen wie Artikel suchen, beobachten, bieten usw. können über die Oberfläche wie in einem „richtigen“ Programm ausgeführt werden. Dabei geht die Anwendung u.a. mit automatischen Erinnerungs­funktionen und speicherbaren Filtern in Sachen Bedienkomfort deutlich über das Online-Original hinaus.
The New York Times ReaderBemerkenswert ist auch der New York Times Reader, ein innovativer Newsreader, der seine Daten aus dem Internet bezieht, aber auch ohne Netzzugang funktioniert. Er zeigt die aktuelle Ausgabe der New York Times bildschirmoptimiert an sowie weitere Inhalte, die die gedruckte Zeitung nicht bieten kann – tagesaktuelle Nachrichten und Videos beispielsweise.

Im Adobe Showcase finden sich weitere interessante Anwendungen u.a. von AOL, NASDAQ und YAHOO.

Fazit

AIR und Silverlight OOB spielen nicht in derselben Liga. Wollen sie vielleicht auch nicht. Während Silverlight OOB einfach Silverlight-Anwendungen ausserhalb des Browsers laufen lassen möchte, eröffnet AIR Flash/Flex-Entwicklern die Möglichkeit, Desktop- und echte Hybrid-Anwendungen zu bauen. Aufgrund der jahrelangen (bzw. mit Macromedia eingekauften) Erfahrung mit Flash und seiner vektorbasierten Grafik sowie dem fast überall anzutreffenden FlashPlayer dominiert Adobe die noch immer junge Szene mit Rich Internet Applications optisch und funktionell. Und Microsoft läuft hinterher; aber darin ist Microsoft ja geübt – und schnell! Und das ist gut so, denn Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft.

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